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Sven

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private, german, funny, romantic, boring, techi



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Date Added 02-Dec-2005 Hits: 258 Rating: 5.00 Votes: 3

 

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Sven Episodes -

Sicherheit
Vermutlich haben Politiker so viel Ahnung vom Internet, wie ich von Politik.
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Ungeordnete Gedanken
Was soll eigentlich diese ergebene Obrigkeitshörigkeit? Die schwimmen doch nur da oben, weil sie über eine gringere Dichte verfügen. Seit wann interessiert eigentlich ob das Bundeskabinett ein Gesetz verabschiedet oder nicht? Ich dachte bisher die Gesetze würden vom Parlament gemacht und maximal von der Exekutive eingebracht werden. Was muss das für eine nutzlose Schwatzbude mit mehr als 500 (!) Abgeordneten sein, die sich so die Butter vom Brot nehmen lässt. Yeeha! Wir sind die Cowboys des 21. Jahrhunderts. Kryptographie und Intellekt sind unsere rauchenden Colts.
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Obama
Ich kann das Thema US-Vowahlkampf schon nicht mehr hören. Es scheint, als ob uns die deutschen Medien mit wirklich jedem kleinen Schrittchen zur Präsidentschaft ihres Hoffnungsträgers versorgen müssen. Dafür kann er nichts - aber er kann was dafür, dass er viele Hoffnungen weckt, die am Ende nur enttäuscht werden können. Obama findet dabei auch fruchtbaren Boden. Politik ist ein schmutziges Geschäft, aber dennoch erwarten viele Menschen, dass ausgerechnet ein Politiker noch keinen Dreck am Stecken hat. Naivität möchte enttäuscht werden.
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Chinesisches Horoskop
Diese Sternendeuterei, Astrologie und Scharlatanerie ist nicht nur uns Abendländern vorbehalten. Auch im fernen Osten haben Spekulationen um die Persönlichkeit und Zukunft eines Menschen schon seit jahrhunderten Konjunktur. Ich finde so Lebenshilfen ja ganz nett und weis jetzt auch, welchem chinesischen Tierkreiszeichen mein Geburtstag entspricht - doch richtig ernstnehmen werde ich sowas wohl nie.
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Mein wahres ich
Seit einer Woche sitze ich hier vor meinem Computer. Ich habe ein neues Spielzeug gefunden. Ein Stück geschenkte Hardware. Ein alter Rechner oder etwas anderes mit einer CPU drin. Ich stelle mir immer wieder neue Aufgaben, was ich damit anfangen möchte und wie ich es in mein Computernetzwerk einbinden kann.
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Statussymbole
Du möchtest ein Haus mit Garten, Veranda und Balkon irgendwo im Grünen, eine ruhige Lage, aber dennoch auch Kinder, einen Hund und eine verkehrsgünstige Anbindung, um bei Bedarf schnell im Büro zu sein. Über Zielkonflikte hast Du nie nachgedacht. Ich möchte am liebsten jeden Tag in der Sonne verbringen, herausfinden, wieso ich eine Schwäche für sie habe. Ich möchte die warme Luft auf meiner Haut spüren, herausfinden, was mich an ihr reizt. Du möchtest beruflichen Erfolg und Macht, ganz schnell einige Hierarchiestufen überspringen und du hast den Ehrgeiz möglichst viele Zuarbeiter anzusammeln. Über das Peterprinzip hast Du nie nachgedacht. Ich möchte meine Zeit effektiv nutzen, herausfinden, ob sie mir wache Momente schenken kann. Ich möchte vermeiden, dass die Wochen und Monate an mir vorüber ziehen, herausfinden, wie ich sie reizen kann. Du möchtest ein großes, schnelles Auto, träumst von einem Helikopter, der Dich ohne Stau transportiert, Aber darin würde Dich niemand sehen - niemand beneiden. Über Resourcenvergeudung hast Du nie nachgedacht. Ich möchte für die Zukunft leben, herausfinden, wie ich sie für mich gewinnen kann. Ich möchte die Welt so intakt verlassen, wie ich sie angetroffen habe, herausfinden, warum ich mich um sie kümmern möchte. Du möchtest gesellschaftlich geachtet sein, Pfarrer, Gemeinderat und Präsident der Handelskammer haben Dich ganz oben auf der Gästeliste. Über Freundschaft hast Du nie nachgedacht. Ich möchte meine Gesundheit behalten, herausfinden, wie ich sie beschützen kann. Ich möchte Zeit mit meiner Familie verbringen, herausfinden, mit was ihr eine Freude zu bereiten ist. Du möchtest absolute Sicherheit, Viele Ängste drehen sich um Deinen Besitz und alles, was Du bisher erreicht hast. Über Freiheit hast Du nie nachgedacht. Ich möchte Frieden und Freiheit, herausfinden, wie ich sie erhalten kann. Ich möchte Freundschaft, Zuneigung, Aufmerksamkeit und Freude, herausfinden, ob ich sie lieben könnte.
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Kinder, wie die Zeit vergeht
Meine Kinder lassen mich alt aussehen. Richtig alt. Gestern wurde ich auf jenseits von 40 Jahren geschätzt, weil ich doch schon so große Kinder habe. Falls dass nur ein bissiger Seitenhieb gewesen sein sollte, um mich aus der Reserve zu locken, kann ich das auch mit Humor nehmen und durchaus positiv sehen. Zumindest gibt es jemanden, der mich aus der Reserve locken möchte.
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RMS
RMS sind die Initalen von Richard Matthew Stallman, dem vermutlich bekanntesten Mitbegründer der freien Software Bewegung und Programmierer unzähliger GNU-Programme. So ziemlich jeder, der schon einmal einen Rechner mit Linux-Kernel angefasst hat, hat auch mit Programmen zu tun gehabt, die von der Free Software Foundation (FSF) stammen und damit zum Teil von RMS. Der gute Herr Stallman war heute zu Gast in Jena und hat etwa zwei Stunden lang einen Vortrag über freie Software gehalten. Ich komme schnurstracks von dort und da mein Schwarm keine Ambitionen hegt, mehr zu werden, als nur ein Schwarm, habe ich nun etwas Zeit Dir von dem Vortrag zu berichten. Doch der Reihe nach. Die Veranstaltung fand in einem Hörsaal der hiesigen Universität statt. Ich wusste nicht genau wo. Nur das Gebäude. Doch die charakteristischen Kennzeichen einer größeren Gruppe von Computerfritzen sind nirgendwo zu übersehen. Glücklicherweise traf ich dann noch auf ein paar bekannte Gesichter, so dass ich die viertel Stunde Wartezeit mit einwenig Smalltalk über St. iGNUtius und verwandte Themen überbrücken konnte. Als ich den Hörsaal betrat, hatte ich so ein seltsames Gefühl. Ich war nie an der hiesigen Uni eingeschrieben, aber ich merkte gleich, dass mich die Universität nun wieder hat. Die typischen Klappbänke und Tische ... und halt lange nicht mehr gehörte Geräusche einer Gruppe von Studierenden, die einen Raum in Beschlag nimmt. Ich wollte etwas sehen und deshalb peilte ich zielgerecht eine der vorderen Reihen an. Aus meiner Smalltalk-Gruppe blieb nur Anke übrig, die ähnliche Absichten verfolgte wie ich, allerdings etwas unschlüssig war, plötzlich neben einem Fremden zu sitzen. Langsam füllten sich die Reihen und so kam noch Mikhael rechts neben mir dazu und noch zwei Andere von der lokalen Linux-User-Gruppe und so dürfte sich das Unwohlsein zu meiner Linken etwas veringert haben. Wir warteten dann nochmal etwa eine viertel Stunde, bis die üblichen Verdächtigen im Schlepptau der großen Meisters den Saal betraten. Nach einwenig Vorstellung der Organisatoren, denen ich für diese Gelegenheit natürlich wirklich sehr dankbar bin, trat Stallman dann ans Mikro. Es folgten die üblichen Definitionen der vier Freiheiten von freier Software, aber die Inhalte sind mir soweit vertraut, dass ich genug Zeit hatte, diesen Menschen vor mir näher zu betrachten und dennoch die Gags, die er in seinem Vortrag einstreute nicht zu verpassen. Der war natürlich in englisch, aber Stallman spricht sorgfältig und langsam genug, dass er weitestgehend im Auditorium verstanden wurde. Stallman ist von der Statur nicht besonders dick. Er schiebt aber einen ungehäuren Wamst vor sich her, den man einfach nicht verfehlen kann. Er trägt einen dunklen Bart, der an verschiedenen Stellen bereits angegraut ist. Es ist schwer für Bartträger nicht einwenig schmuddelig auszusehen, und in diesem Sinne sieht der Mann auch nicht sehr gepflegt aus. Überraschend fand ich wie im Laufe der Zeit seine Manieren offenbar etwas in Mitleidenschaft gezogen wurden. Anfangs hat er sich öfter Mal in den Bart gefasst oder etwas von der Nase abgewischt. Später gab es dann schonmal ein Kratzen am Oberschenkel oder am Hintern. Ich hätte ihm vermutlich am Abend nur ungerne die Hand gereicht. Der Vortrag lieferte mir schöne Vergleiche und Argumente gegen proprietäre Software. Das ist neben Malware, Digital Restriction Management (DRM), Software-Patenten und Windows Vista ein Lieblingsfeind der FSF. Stallman geht dabei weniger auf die technischen Unzulänglichkeiten von geschlossenen Softwaresystem ein. Also das nervige reverse engineering oder so einen Schwachsinn wie die Softwareregistrierung. Es geht ihm mehr um den sozialen, gesellschaftlichen und moralischen Effekt von proprietärer Software. Eine Software, die ich niemandem weitergeben kann, ist kein Beitrag zur Gemeinschaft. Eine Software, die nicht transparent ist, ist nicht vertrauenswürdig. Eine Software, die ich nicht meinen Bedürfnissen anpassen kann und mit der ich verfahren kann, wie ich möchte, raubt mir meine Freiheit. Er zielt gerne immer wieder gegen die Bequemlichkeit, welche uns viel zu leicht auf unsere Freiheiten verzichten lässt und ist recht kompromisslos, was seine Einschätzung angeht. Die Argumente, mit denen er begründet, wieso ausgerechnet freie Software nicht für den erlebten Kommunismus steht und sogar für den Schutz von privaten Eigentum, werde ich bei Gelegenheit mal einem sehr renitenten Linux-Kritiker um die Ohren hauen. Ich hatte befürchtet, dass ich es mit einem fanatischen Verfechter der Materie zu tun bekomme, der fast schon in religiöser Verblendung seine Thesen verteidigt. Aber davon war nichts zu sehen. Er kann ganz gut unterscheiden zwischen einem Systemfehler und einem fehlerhaften System als Ganzes. Was sich z.B. durch seine Äußerungen zum Kapitalismus zeigt, den er zur Enttäuschung eines Fragestellers nicht verdammt hat. Allerdings grenzt er die FSF auch sehr klar zu Begriffen wie Open Source, Distributionen und Linux ab. Am Ende der Vortrages macht er sich sogar etwas über das typische Vorurteil lustig, mit welchem auch ich in die Veranstaltung gegangen bin: Stallman mutiert zum heiligen iGNUtius von der Kirche des Emacs. Optisch umrahmt von einem Heiligenschein, der in seinem früheren Leben mal eine Scheibe in einer Monster großen Festplatte war. Für alle Nichteingeweihten: Emacs ist eine Software, die irgendwann mal ein funktionierender Text-Editor gewesen sein mag, aber dank einer internen Programmierbarkeit in LISP für manche Benutzer heute so eine Art universelle Benutzeroberfläche für Computer darstellt. Die Fragerunde danach hat nicht mehr viel Interessantes erbracht, was zum Teil auch daran lag, dass ich möglichst flott eine Toilette aufsuchen wollte, vorzugsweise meine Eigene. Eine Unterscheidung macht RMS zwischen Webapplikationen, wie der Wikipedia und Webtextverarbeitungen. Es ist offensichtlich, dass im ersten Fall, die Daten der Wikimedia Foundation verarbeitet werden und die Kontrolle darüber dort gut aufgehoben ist. Im zweiten Fall geht es um meine eigenen Daten auf einem von mir nicht kontrollierbaren Server, ganz zu schweigen von dessen Software. Die Schlußfolgerung dürfte klar sein. Insgesamt fand ich den Abend sehr informativ und möchte nochmal den Veranstaltern von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Gesellschaft für Informatik (GI) nochmals dafür danken, Stallman live zu erleben.
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Söldner
Ich bin von Beruf Mörder. Oder nennen wir es ehrlicherweise gleich Killer. Ich werde dafür bezahlt, gegen Menschen in einer ganz speziellen Art vorzugehen: Vorsätzlich und geplant deren Leben zu zerstören. Privat oder beruflich oder bei Bedarf auch beides. Ich zerstöre ihren Ruf, unterminiere ihre Reputation und sorge dafür, dass Menschen in die größte Krise ihres Leben geraten. Aber ich bringe die Leute nicht richtig um. Also nicht biologisch. Das wäre gegen das Gesetz! Aber oft fehlt nicht viel und auch dieses Problem löst sich von ganz von alleine. Wenn ich mit einem Zielobjekt fertig bin, dann hat es in der Regel keinen Job, keine Wohnung, keine Freunde und keine Frau mehr. Die Familie wendet sich ab. Am Ende steht das Opfer völlig alleine da. Das ist mein Auftrag. Was danach geschieht, geht mich Nichts mehr an. Früher einmal habe ich bei der Zeitung gearbeitet. In überregionalen Redaktionen und Presseagenturen. Ich war mal eine Zeit lang Pressesprecher eines international agierenden Konzerns, Wahlkampfmanager zweier Parteien in Deutschland, Sekretär einer wohltätigen Stiftung und bedauerlicherweise sogar mal in der Werbung tätig. Das war damals, als es nur um Personen von öffentlichem Interesse ging. Aber dann kam das wundervolle Internet und nun ist plötzlich jedermann von öffentlichem Interesse. Ist das nicht herrlich? Jeder Mieter, jeder Steuerzahler, jeder Kunde, jeder Nachbar, Freund und Feind. Meinungsverschiedenheiten zwischen Menschen gab es schon immer und mit genügend Zeit und viel Glück wachsen die sich zu einer richtigen kleinen privaten Vendetta aus. Nur sind heute die Waffen deutlich vielseitiger und ermöglichen finalere Auseinandersetzungen, ohne dass man sich die Hände schmutzig machen muß. Ist das Leben nicht schön? Ich bediene mich mehrerer, erprobter Werkzeuge. Meine Tatwaffen sind Avatare, Foren, alle Arten von virtuellen Gemeinschaften in denen Vertrauen bereits ein paar Bytes gegenüber erbracht wird, Gästebücher, Kommentare und Google. Ja vor allem Google. Wieso sollte ich auch eine andere Suchmaschine als Google überhaupt erst ins Auge fassen? Soll ich mal lachen? Jeder sucht heute in Google nach Namen. Wirklich jeder! Personalabteilungen zu ihren Bewerbungen; Bankmitarbeiter bei der Kontoeröffnung; Finanzbeamte bei Lohnsteuereinsprüchen; Hotelrezeptionen bei neuen Gästen; Vermieter bei ihren Mietern und sogar das Blind-Date am Freitag abend schaut erstmal bei Google, ob es ggf. nicht doch sicherheitshalber das Pfefferspray einpacken soll. Niemals in der Geschichte gab es ein zentraleres Auskunftssystem über die gesamte Menschheit als Google heute. Hatte ich schon erwähnt, wie schön ich mein Leben finde? Bei meiner täglichen Datenreise durchs Internet habe ich mal irgendwo den Satz gelesen, dass Google mehr über den Betreffenden weiß, als dessen eigene Mutter. Das mag stimmen, denn Deine Mutter hat nur Erfahrungen und Kenntnisse aus erster Hand. Sie fragt Dich nicht nach Deiner politischen Einstellung, sexuellen Ausrichtung, Deinen Freundeskreis oder welche Parties Du besucht hast. Sie hat keine Ahnung ob sich in Deiner Pornosammlung auch Bilder von kleinen Mädchen befinden, ob Du Nazipropaganda liest, ob Du extremen religiösen Strömungen ausgesetzt bist oder ob Du es mit der Ehrlichkeit beim Medienkauf nicht so genau nimmst. Jeder vertraut aber Google, das Alles über jeden beliebigen Menschen zu wissen. Google ist die Autorität, der sich jeder mit seiner Abfrage beugt. Und woher weiß Google soviel über Dich? Natürlich von mir, ist doch klar! Gibt es jemanden noch gar nicht im Netz, dann ist der Identitätsdiebstahl sehr einfach. So einfach, wie es ein Maler mit einer komplett leeren Leinwand hat. Ist jemand netzbekannt, fängt meine professionelle Arbeit an. Es ist schwierig eine komplett plausible virtuelle Existenz von jemandem aufzubauen, der selbst im Netz aktiv ist. Doch es gibt genügend Wege und Tricks, dessen Datenspuren bei Google weit hinter den von mir gewünschten Suchergebnissen rangieren zu lassen. Verwechslungen sind auch so ein Problem. Wie viele Peter Müllers wird es alleine in Deutschland wohl geben? Ich kann es Dir genau sagen: 143 Stück. Der Trick besteht nun darin, mit genügend korrekten Daten, die virtuelle Identität anzureichern. Z.B. mit Kontextinformationen, die der Suchende wissen kann: Geburtsdatum, Wohnort, Telefonnummer oder Namen von Eltern und Kindern. Dazu muss ich ein bisschen recherchieren. Nachbarn, Freunde und Bekannte sind eine wahre Fundgrube für persönliche Informationen aller Art, wenn man subtil genug danach zu fragen weiß. Das macht mir in meinem Beruf den meisten Spaß. Wenn ich von direkten und ehrlichen Menschen genaue Auskünfte über ein Zielobjekt erhalte. Wenn honorige Menschen mir bei der Arbeit helfen. Es ist sehr wichtig, bei der Erstellung so eines digitalen Lebenswandels nicht zu offensichtlich vorzugehen. Kleine moralische Vergehen, Ungereimtheiten in den Aussagen oder dezente Indiskretionen sind chic. Wenn ein minimaler Verdacht erweckt werden kann, dass eine Person den ungeliebten Forentroll gibt, ist dass schon viel wert. So etwas geschickt verwoben mit wirklichen Erfolgen beim Schachtunier in der 12. Klasse oder glaubwürdigen Berichten vom Auslandsjahr, welches nachvollziehbar statt gefunden hat, runden das Ganze ab. Aber Jugendsünden haben wir alle. Nun werden die ersten Schritte im Internet aber gleich für die Ewigkeit aufbewahrt und dessen ist sich jeder bewusst. Daher muss so eine virtuelle Identität natürlich schon etwas eingeführt sein um zu zeigen, dass es sich dabei um einen renitenten, selbstsüchtigen und dauerhaft verdorbenen Charakter handelt. Immer schön mit kleinen Erfolgen garnieren, schließlich ist Stolz auch eine glaubwürdige Emotion. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Autorität digitale Bilder noch haben. Selbst im Zeitalter von Photoshop: Die Stripperin auf dem Schoß beim Jugesellenabschied ist aber auch so stereotyp naiv, dass niemand weiter nachfragen wird. Ein Saufgelage mit Freunden, ein geschmackloser, frauenfeindlicher Witz hier und eine respektlose Bemerkung über behinderte Menschen dort, lassen tief blicken. Und was haben erst Behörden und halbstaatliche Organisationen für einen brillanten Ruf beim Datenschutz. Denen traut man gerade schon zu, dass viele authentische Informationen über Bürger offen im Internet herumliegen. Wenn in einer offiziell aussehenden CSV-Datei steht, dass unser Peter Müller aus medizinischen Gründen nicht mehr beim Blutspenden teilnehmen darf; keine Kredite mehr bekommt, bis der Dispo abgelöst ist oder Mietausfälle in dessen Wohnadresse zu befürchten sind, ist quasi egal, aus welcher Quelle diese Informationen wirklich stammen. Es reicht meist, den begründeten Zweifel zu wecken. Den Rest erledigt das Kopfkino des Suchenden. Jetzt komm' mir aber bloß nicht mit Gewissensbissen oder gar moralischen Bedenken. Ich würde Existenzen zerstören oder Menschen in den Selbstmord treiben? Gewissensbisse habe ich nicht. Das ist mein Job, meine Arbeit. Damit verdiene ich mein Geld, nichts weiter. Ich bin ein Söldner des Internetzeitalters. Ich mache die Regeln, Gewohnheiten, Vertrauen und Naivität der Leute nicht. Ich benutze sie nur. Jeder Mensch hat eine schwache Stelle, Bereiche in denen er sich sicher fühlt, die er aber aufs Spiel setzt, ohne es zu bemerken. Es gibt einen Bedarf für meine Arbeit. Den bediene ich und das mache ich verdammt sehr gut. Das glaubst Du mir nicht? Naja, dass wirst Du dann schon noch sehen!
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